DAS PRIESTERSEMINAR ST. PETRUS
I Geschichte
Anfang November 1988 hatten 31 Seminaristen, wovon 25 zuvor Mitglied der „St. Pius-Bruderschaft“ waren, sowie einige Priester unter der Leitung ihres ersten Generaloberen und Regens Pater Josef Bisig, im gerade neu erbauten Pilgerheim St. Josef in der Gebetsstätte Wigratzbad im Allgäu eine neue Bleibe gefunden. Zuvor waren sie heimatlos geworden, da sie der Einheit der Kirche treu bleiben wollten und deshalb die schismatischen Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre am 30. Juni 1988 nicht mittragen konnten.
Gleich nach ihrer Trennung von der Piusbruderschaft erhielten sie durch Papst Johannes Paul II. im Motu Proprio „Ecclesia Dei“ 2. Juli 1988 die entscheidende Ermutigung zu einer Neugründung. Der Papst schrieb u. A.: „Vor allem möchten wir unter den vorliegenden Umständen einen feierlichen und lein denschaftlichen, wie auch väterlichen und brüderlichen Aufruf an all jene richten, die bisher in irgendeiner Weise mit der Bewegung des Erzbischofs Lefebvre in Verbindung standen, daß sie ihre ernste Pflicht erfüllen, mit dem Stellvertreter Christi in der Einheit der katholischen Kirche verbunden zu bleiben und in keiner Weise jene Bewegung weiter unterstützen zu wollen. Alle müssen wissen, daß die formale Zustimmung zu einem Schisma eine schwere Beleidigung Gottes ist und die Exkommunikation mit sich bringt, wie im Kirchenrecht festgesetzt ist. All jenen katholischen Gläubigen, die sich an einige frühere Formen in der Liturgie und Disziplin der lateinischen Tradition gebunden fühlen, möchte ich auch meinen Willen kundtun - und wir bitten, daß sich der Wille der Bischöfe und all jener, die in der Kirche das Hirtenamt ausüben, dem meinen anschließen möge -, es ihnen leicht zu machen, in die kirchliche Gemeinschaft zurückzukehren, durch die notwendigen Maßnahmen, welche die Berücksichtigung ihrer gerechtfertigten Wünsche sicherstellen.“
Namen und das Patronat des hl. Apostels Petrus, um so die Treue zum sichtbaren Oberhaupt der Kirche deutlich und unwiderruflich festzuschreiben. Bereits am 18. Oktober erfolgte die Unterzeichnung des Errichtungsdekrets der „Priesterbruderschaft St. Petrus“ als klerikale Gemeinschaft päpstlichen Rechts.Im August 1988 fanden dann erste Gespräche mit dem damaligen Bischof von Augsburg, Dr. Josef Stimpfle, statt, welcher bald die Erlaubnis zur kirchenrechtlichen Errichtung eines Priesterseminars an der Gebetsstätte in Wigratzbad gab.
Am 17. und 18. Juli 1988 fand das Gründungskapitel der Bruderschaft St. Petrus in Hauterive, Kanton Freiburg, in der Schweiz statt. Bewußt wählte die neu entstandene Gemeinschaft den Namen Priesterbruderschaft St. Petrus.
Materielle Einschränkungen, welche den Studienbetrieb und das Seminarleben beträchtlich erschwerten, liesen immer wieder den Gedanken an ein eigenes Seminargebäude aufkommen. Was lange erhofft wurde, konnte dank der Hilfe der göttlichen Vorsehung sowie großer finanzieller Opfer zahlreicher Gläubigen Wirklichkeit werden: Pünktlich zum Semesterbeginn im Spätsommer 2000 konnte das neue Priesterseminar bezogen werden! Die Einweihung nahm der Präfekt der päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“, S. E. Kardinal Castrillon-Hoyos, am Samstag, den 2. Dezember 2000, im Anschluß an ein feierliches Pontifikalamt vor.
II Seminarordnung
Im Tagesablauf wechseln sich Gebet, Studium und Freizeit ab.
Der gewöhnliche Wochentag beginnt morgens um 6.00 Uhr mit dem Aufstehen. Anschließend versammeln sich die Seminaristen in der Kirche zur Laudes, einer halbstündigen Betrachtung und zur Kommunitätsmesse, die an allen kirchlichen Festtagen feierlich gesungen wird. Nach dem Frühstück beginnen die regulären Vorlesungen bis zur mittäglichen Sext in der Kirche. Auf das Mittagessen folgt eine Erholungspause („Rekreation“) bis 14.00 Uhr. Sie wird genutzt für sportliche Betätigungen, Spaziergänge, Lesen diverser Zeitungen und Zeitschriften etc. Die darauffolgende Studienzeit wird durch einen Kaffee unterbrochen. Gewöhnlich trifft man sich um 18.30 Uhr wieder zum gemeinsamen Gebet (Vesper, Rosenkranz oder Sakramentsandacht). Nach dem Abendessen und einer Zeit der Erholung schließt der Tag mit der gesungenen Komplet. - Neben den beiden täglichen Erholungszeiten nach dem Mittag- und nach dem Abendessen gibt es zwei freie Nachmittage am Mittwoch und am Sonntag.
Um eine für ein gedeihliches Studium förderliche Atmosphäre zu schaffen, legt die Hausordnung großen Wert auf die Einhaltung des Stillschweigens zu genau bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten im Haus, wie z. B. auf den Zimmergängen und in der Bibliothek.
Als integraler Bestandteil der priesterlichen Ausbildung erhält jeder Seminarist je nach Neigung und Eignung praktische Aufgaben im Seminar. Durch diese Dienste soll der Sinn für das gemeinsame Gut, die Nächstenliebe, aber auch die Abtötung gefördert und ein Sinn für das Praktische entwickelt werden.
Zu Beginn des Studienjahres und vor den Weihen im Frühjahr nehmen die Seminaristen an Exerzitien teil. Der monatliche Einkehrtag wird gewöhnlich von auswärtigen Priestern gehalten.
III Organisation und Verlauf der Studien
Das Studienhaus der Priesterbruderschaft St. Petrus in Wigratzbad trägt einen stark internationalen Charakter, da die Seminaristen aus 11 verschiedenen Ländern kommen: Deutschland, Österreich, Frankreich, Portugal, England, Spanien, Dänemark, Polen, Rußland, Brasilien und Chile.
Die Seminaristen studieren entweder auf deutsch oder auf französisch und sind deshalb in zwei Unterrichtsgruppen aufgeteilt. Die Priester, welche den Unterricht leiten, finden regelmäßige Unterstützung durch namhafte Professoren aus dem In- und Ausland, die je nach Möglichkeit zu regelmäßigen Vorlesungen, zu Blockvorlesungen oder zu Vorträgen eingeladen werden.
Die reguläre Ausbildungszeit im Priesterseminar St. Petrus beträgt sieben Jahre.
Das erste Jahr ist ein Spiritualitätsjahr.
Es dient zunächst den Kandidaten zur vertieften Prüfung der eigenen Berufung. Außerdem soll durch die systematische Einführung in das geistliche Leben die spirituelle Grundlage gelegt werden, auf welcher eine fruchtbare Durchdringung der geoffenbarten Wahrheiten im Studium der Theologie aufbauen kann. Ziel der priesterlichen Formung im Seminar ist die organische Verbindung von Frömmigkeit und Wissenschaft, sowie die Hinführung der Alumnen zu persönlicher, spiritueller und intellektueller Reife, gemäß einem Wort des hl. Bernhard von Clairvaux: „Tantum lucere, vanum; tantum ardere, parum; ardere et lucere, perfectum. - Nur leuchten ist eitel, nur brennen zu wenig; brennen und leuchten ist vollkommen.“ (Sermo in Nativ. S. Joan. Bapt.)
Dies entspricht auch den Forderungen des zweiten Vatikanums, welches zur besseren Verbindung der wissenschaftlichen und pastoralen Ausbildung ausdrücklich solch einen „Einführungskurs“ wünscht: „In dieser Einführung soll das Heilsmysterium so dargelegt werden, daß die Alumnen den Sinn, den Aufbau und das pastorale Ziel der kirchlichen Studien klar sehen; daß ihnen zugleich geholfen werde, ihr ganzes persönliches Leben auf den Glauben zu gründen und mit ihm zu durchdringen; daß sie endlich in der persönlichen und frohen Hingabe an ihren Beruf gefestigt werden.“ (OT 14)
Im Mittelpunkt der Spiritualität der Priesterbruderschaft St. Petrus steht die Heiligung des Priesters durch die persönliche existentielle Ausrichtung auf das Heilige Meßopfer in Treue zu ihrer liturgischen und spirituellen Tradition gemäß der Intention ihrer Gründer sowie dem Motu Proprio „Ecclesia Dei“ von Papst Johannes Paul II. vom 2. Juli 1988.
Zwei Jahre dienen dem Studium der Philosophie.
Eine gründliche philosophische Ausbildung ist unablässige Voraussetzung für ein fruchtbares Theologiestudium, denn der in wahrer natürlicher Erkenntnis geschulte Verstand wird schließlich leichter in die geoffenbarte Wahrheit eindringen. „Die philosophische Ausbildung, die sich auf das immer gültige philosophische Erbe stützen und auch Rücksicht auf die philosophische Forschung der fortschreitenden Zeit nehmen muß, ist so zu vermitteln, daß sie die menschliche Bildung der Alumnen vervollkommnet, ihren Verstand schärft und sie für die theologischen Studien fähiger macht.“ (Can 251 CIC)
Dem ausdrücklichen Wunsch des zweiten Vatikanums und des Kirchenrechts entsprechend, folgt die Studienordnung des Priesterseminars St. Petrus dabei vor allem der Lehre des hl. Thomas von Aquin: Die Seminaristen sollen lernen, „mit dem heiligen Thomas als Meister, die Heilsgeheimnisse in ihrer Ganzheit spekulativ tiefer zu durchdringen und ihren Zusammenhang zu verstehen, um sie, soweit möglich, zu erhellen“ (OT 10, vgl. auch Can 252 § 3 CIC).
Die hauptsächlichen philosophischen Disziplinen sind: Logik, Erkenntnislehre, Metaphysik, Gotteslehre, Kosmologie, philosophische Psychologie, Ethik und Philosophiegeschichte. Erweitert wird das Philosophiestudium durch mehrere Fächer wie Fundamentaltheologie, Exegese, Kirchengeschichte und Pädagogik.
Apostolatsjahr
Zwischen dem Studium der Philosophie und der Theologie werden die Seminaristen für ein Jahr in den Häusern der Bruderschaft eingesetzt, um so Erfahrungen in der praktischen Seelsorge zu sammeln und die spezifische Situation unseres Apostolates vor Ort kennen zu lernen. Im Laufe dieses Jahres erhalten sie im Seminar blockweise Einführungskurse in die wichtigsten theologischen Disziplinen.
Die letzten drei Jahre dienen dem intensiven Studium der Theologie (Dogmatik, Moraltheologie, Exegese, Kirchenrecht, Liturgik, Pastoraltheologie, Kirchengeschichte, Patrologie etc. ).
Wesentliche Voraussetzung für ein fruchtbares Studium ist eine Atmosphäre des Vertrauens zwischen Lehrenden und Studenten. Deshalb ist das Hauptkriterium für die Auswahl der Professoren und Leitfaden aller Studien die unbedingte Treue zu Tradition und zum Lehramt der Kirche. Die Alumnen sollen geformt werden in einem echt kirchlichen Geist. Sie sollen befähigt sein, die klaren und gültigen Antworten der Kirche auf brennende Fragen der Zeit, insbesondere auf dem Gebiet der Moral, mit guten Argumenten und aus eigener reifer Überzeugung den Menschen zu vermitteln.
Die Studienordnung legt einen großen Wert auf die Vollständigkeit des Stoffes, so daß alle Traktate in der jeweils möglichen Gründlichkeit behandelt und in ihrer organischen Beziehung zueinander beleuchtet werden. Der Seminarist soll durch einen umfassenden Überblick über die gesamte Materie der Theologie befähigt werden, sich im Blick auf das Ganze durch persönliche Studien je nach Vorliebe und pastoraler Notwendigkeit in Teilaspekten zu vertiefen. Nach dem Wunsch des zweiten Vatikanums sollen die theologischen Fächer „im Licht des Glaubens unter Führung des kirchlichen Lehramtes so gelehrt werden, daß die jungen Theologen die katholische Lehre sorgfältig aus der göttlichen Offenbarung schöpfen, tief in sie eindringen, sie für ihr geistliches Leben fruchtbar machen und sie in ihrem künftigen priesterlichen Dienst verkünden, darlegen und verteidigen können.“ (OT 16)
IV Kontaktadresse
Die Postanschrift lautet: H. H. Pater Regens Franz Karl Banauch
Priesterseminar St. Petrus
Kirchstraße 16
88145 Opfenbach
Telefon: 08385/92210
Telefax: 08385/922133
Spendenkonto:
Volksbank Allgäu West eG, BLZ 65092010, Kontonr. 38 190 010
BIC: GENODES1WAN IBAN: DE13 6509 2010 0038 1900 10
Kanidatur
Das Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad steht jedem jungen Mann offen, der Priester der Katholischen Kirche werden möchte. Die Kandidaten müssen auch um die Inkorporation in die Priesterbruderschaft St. Petrus ersuchen (außer, wenn sie von ihrem Diözesan- oder Ordensordinariatus entsandt wurden). Die Priesterbruderschaft St. Petrus ist eine klerikale Gesellschaft des Apostolischen Lebens Päpstlichen Rechtes, wurde vom Heiligen Stuhl 1988 errichtet und hat sich vor allem das Ziel gesetzt, durch den priesterlichen, seelsorglichen Dienst nach der persönlichen Heiligkeit zu streben. Mittel dazu sind das Leben in der Gemeinschaft, die Spiritualität des Heiligen Messopfers, und die treue Beobachtung der liturgischen und spirituellen Tradition gemäß des Motu Proprio „Ecclesia Dei“ vom 2. Juli 1988, auf dem sie gründet.
Die Ausbildung orientiert sich kompromisslos und in großer Treue zum kirchlichen Lehramt an der philosophischen und theologischen Ausbildung im Geist des Thomismus im Einklang mit der „Ratio Studiorum“ des Heiligen Stuhls sowie an der Befolgung der liturgischen und spirituellen Überlieferung der Lateinischen Kirche.
Dieses siebenjährige Ausbildungsprogramm besteht zuerst aus einem Spiritualitätsjahr, in dessen Verlauf der Seminarist das Leben der Gemeinschaft, des Gebets und der Arbeit kennen lernt. Dieses Jahr soll dem Seminaristen ermöglichen, seine Berufung zum Priester in der Priesterbruderschaft St. Petrus zu prüfen, wobei ihn der Direktor des Spiritualitätsjahres und sein Seelenführer unterstützen. Darauf folgen zwei Jahre Studium der Philosophie und vier Jahre Theologie.
Während ihrer Ausbildung fügen sich die Seminaristen in übernatürlicher Gesinnung den Entscheidungen ihrer Oberen hinsichtlich ihres Charakters, ihrer Frömmigkeit und ihrer geistigen und sittlichen Befähigung zum Priestertum.
Nach ihrer Weihe werden die Priester von den Oberen zu einem seelsorglichen oder erzieherischen Apostolat in der Priesterbruderschaft St. Petrus bestimmt.
Die Kandidaten müssen eine der zwei Unterrichtssprachen des Seminars (Französisch oder Deutsch) perfekt beherrschen. Jeder Mangel in diesem Bereich würde sowohl die Ausbildung als auch die Prüfung der Berufung sehr erschweren. Weitere Grundvoraussetzungen: Abitur und ein Alter bis 35 Jahren.
Ebenso unerlässlich für die Ausbildung in den philosophischen und theologischen Fächern sind eine gute Vor- und Allgemeinbildung. Das Kirchenrecht sagt dazu im Kanon 234.2: „… sind die Jugendlichen, die sich mit dem Gedanken tragen, auf das Priestertum zuzugehen, mit der geistes- und naturwissenschaftlichen Ausbildung auszustatten, mit der Jugendliche in dem jeweiligen Gebiet für das Hochschulstudium vorbereitet werden.“
Die Seminarpension beträgt 350 Euro im Monat. Wer sie nicht gänzlich aufbringen kann, soll deshalb nicht den Mut verlieren; kein Kandidat wird aus finanziellen Gründen abgewiesen. Sobald die Bewerbung akzeptiert ist, erhalten Sie von uns die notwendigen Informationen für den Eintritt, dem geistliche Exerzitien vorausgehen.
