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Gebet für das Apotolat in China

von P. John Berg, Generaloberer der Priesterbruderschaft St. Petrus


Es ist ein großer Segen für die Priesterbruderschaft St. Petrus, dass sie seit ihrer Gründung international und universal geprägt ist. Seit diesen ersten Jahren gibt es in der Bruderschaft Priester und Seminaristen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz,  Spanien, Kanada und den USA. Weniger als zehn Jahre nach der Gründung gab es bereits zwei internationale Priesterseminare: Das Mutterhaus in Wigratzbad und das Seminar „Unserer Lieben Frau von Guadalupe“ in Nordamerika. Heute zählen wir zu unseren Mitgliedern Priester aus Süd- und Nordamerika, Europa, Afrika, Asien und Australien

Dieser internationale Charakter führt v.a. uns Priestern beständig die Universalität der Kirche vor Augen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Arbeit und Bedürfnisse der Kirche nicht auf jenen kleinen Teil beschränken, für den wir zuständig sind, sondern die ganze Welt umspannt. Innerhalb der mystischen Leibes der Kirche kann es daher ein Teil geben, wo die „Ernte groß ist“, weil an einem viel dafür gelitten wurde.

Seit einigen Jahren nun ist die Petrusbruderschaft in besonderer Weise mit der „Vereinigung zur Förderung der lateinischen Messe in Hong Kong” verbunden. Zu meiner Freude wurde ich in meiner Funktion als Generaloberer von Kardinal Zen und von jener Vereinigung eingeladen, in der Osteroktav einen Vortrag über die außerordentliche Form des römischen Ritus zu halten und als Priesterassistent im Pontifikalamt mit Kardinal Zen zu dienen. Mein dortiger Aufenthalt gab mir auch die Gelegenheit mit dem Kardinal ausführlich zu sprechen. Kardinal Zen ist apostolischer Delegat des Heiligen Stuhles in Hong Kong und Bischof von Macao. Diese beiden Städte bildeten für die europäischen Missionare immer schon eine Brücke zum chinesischen Festland, was weniger Restriktionen und mehr Freiheiten seitens der chinesischen Regierung bedeutete.

Dieser Besuch gab mir einen Einblick in das heroische Wirken jener vom Heiligen Stuhl eingesetzten Bischöfe und Priester auf dem chinesischen Festland. Das Leiden der Kirche in China zeigt uns deutlich, wie wertvoll doch unser Glaube ist. Die Kirche und deren Lehre wird gewiss in vielen Teilen der Welt in verschiedener Weise verfolgt. Selbst in Europa und Nordamerika richten sich die Gesetzgebungen zusehends gegen die Wahrheit des Evangeliums und der katholischen Morallehre, aber diese Schwierigkeiten verblassen neben den Leiden, welche viele Bischöfe und Priester in China aufgrund ihrer Glaubenstreue zu erdulden haben. Einige Bischöfe sind wegen ihres Glaubens und besonders wegen ihrer Treue zum Heiligen Vater bereits seit zwölf Jahren bis heute inhaftiert.

Das offene Bekenntnis einiger Wahrheiten unseres Credos muss in China mitunter teuer bezahlt werden. Die Zeit der Martyrer in der Kirche gehört also nicht allein der Vergangenheit an...
Der freie Zugang zur kirchlichen Lehre, die Möglichkeit der öffentlichen Religionsausübung, vor allem der Empfang der Sakramente, wird doch von vielen für uns nicht ausreichend genug gewürdigt und scheint uns zu verleiten diese Tatsache immer stärker unterzubewerten.
In vielen Sakristeien ist folgender Spruch zu finden, welcher erstmals der hl. Don Bosco an seine Mitbrüder richtete: „Priester Gottes! Zelebriere das hl. Messopfer so, als wäre es dein erstes, dein letztes und dein einziges zugleich!“ Die leidvollen Erfahrungen der Katholiken in China ermahnen uns die Kostbarkeit eines sonntäglichen Kommunionempfangs deutlicher wahrzunehmen und ermutigen uns, auch unter der Woche öfters an einer hl. Messe teilzunehmen. Vielleicht entspricht diese dezente Ermahnung jener unseres Herrn an die Samariterin im vierten Kapitel des Johannesevangliums: „Wenn Du die Gabe Gottes kennen würdest …“

Neben diesen Berichten über das Leid der Bischöfe, Priester und der Gläubigen Chinas gibt es aber auch Anlass zur Hoffnung. Kardinal Zen ist zu einem freimütigen und unermüdlichen Verteidiger der Rechte der katholischen Kirche in China geworden. Aus diesem Grund ist er vom Heiligen Vater ausgewählt worden, die Betrachtungen für den diesjährigen Kreuzweg im Kolosseum am Karfreitag zu schreiben, um die Aufmerksamkeit der Welt auf das dortige Leid und die Ungerechtigkeit zu richten. Es gibt auch verschiedene Institute, wie z.B. der Orden der Missionare vom Hl. Geist in Hong Kong, die unentwegt nach Möglichkeiten suchen Texte zu veröffentlichen und Missionare aufs Festland zu schicken, um dort die katholische Lehre jenen zu predigen, die sehnlichst danach verlangen.

Die Kirche in China benötigt daher dringend das Gebet von uns allen. Wie viele Seelen auf der ganzen Welt, warten auch heute noch auf die Wahrheit des Evangeliums und die Lehre der Kirche! Papst Benedikt XVI. hat alle Katholiken aufgerufen für die Kirche in China zu beten, was unsere Christenpflicht zum Gebet noch verstärkt. In seinem Brief an alle Gläubigen der Katholischen Kirche in der Volksrepublik China vom 27. Mai 2007, bittet er in besonderer Weise darum, im Monat Mai des Jahres 2008 die seligste Jungfrau Maria anzurufen, insbesondere unter dem Titel der „Hilfe aller Christen“, unter dem sie in „Sheshan“ in Shanghai mit großer Andacht verehrt und deren Fest am 24. Mai dort begangen wird.

Als ich Kardinal Zen versprach, die Priester, Seminaristen und die Gläubigen der Priesterbruderschaft St. Petrus zu ermutigen, dem Gebetsaufruf des Papstes zu folgen, schlug er mir eine Novene zu „Maria, der Hilfe aller Christen“ vor, mit dem täglichen Gebet des Hymnus und der Oration des betreffenden Festes. Diese Novene soll am 16. Mai beginnen. Der Kardinal fügte hinzu, dass man diesen Festhymnus während seines Noviziats und seines Studiums bei den Salesianern sehr oft gesungen habe. Nach diesen Worten begann der Kardinal prompt den Hymnus in seiner gregorianischen Form auswendig zu singen.

Die Intention dieser Novene ist dem Brief des Hl. Vaters zu entnehmen: „Am selben Tag werden die Katholiken auf der ganzen Welt [...] ihre brüderliche Solidarität und Sorge für euch [den chinesischen Katholiken] bekunden, indem sie den Herrn der Geschichte um die Gabe der Beharrlichkeit im Zeugnis bitten, wohl wissend, daß eure vergangenen und gegenwärtigen Leiden für den heiligen Namen Jesu und eure furchtlose Treue zu Seinem Stellvertreter auf Erden belohnt werden, auch wenn es zuweilen scheinen mag, daß alles traurig scheitert.“

Jeder Maimonat ist natürlich besonders der Muttergottes geweiht. Auch in unserem Priesterseminar in Wigratzbad wird es die traditionellen Maiandachten geben, bei denen in Predigten, Marienliedern und Litaneien die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria angerufen wird. Die Seminaristen bitten neben vielen anderen Intentionen die „Mutter aller Priester“ vor allem um ihren Beistand während der Seminarjahre, um später gute Priester zu werden.
In diesem Jahr möchte ich Sie bitten, sich dem Gebet der Seminaristen anzuschließen, und während der Novene zu „Unserer lieben Frau, der Hilfe aller Christen“ täglich den Hymnus und die Oration für die Kirche in China zu beten. Sicherlich ist es auch angemessen die allerseligste Jungfrau Maria für die Anliegen Europas anzurufen. Aber ich bitte Sie die Leiden jener Glieder des mystischen Leibes der Kirche in China nicht zu vergessen, deren Kreuz aufgrund der schweren Verfolgung schwerer ist als unseres.