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Die Verhöhnung des Heiligen

P. Bernhard Gerstle

Die Eskalation der Gewalt in moslemischen Staaten in Folge der Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung ist offensichtlich von gewissen Kräften gezielt gesteuert, um damit politische Ziele zu verfolgen. Sie kann aber auch Anlass sein, die „Pressefreiheit“ auf den Prüfstand zu stellen.

Sie wird in der westlichen Welt wie ein „heiliges Gut“ verteidigt, als ginge es um einen der höchsten Werte.

In vielerlei Hinsicht hat sie ihre Berechtigung und Bedeutung. Nicht zuletzt ist es den Medien zu verdanken, dass umfassende Informationen zur Verfügung stehen, Skandale und Korruptionsfälle aufgedeckt werden und auch oppositionelle Meinungen Gehör finden. Alle, die noch die nationalsozialistische oder die kommunistische Diktatur erlebt haben, wissen das Recht auf freie Meinungsäußerung zu schätzen, sowohl privat, als auch im öffentlichen Bereich.

Dennoch ist es - unabhängig von der gegenwärtigen politischen Krise - längst überfällig, über die Grenzen der Pressefreiheit neu nachzudenken. Was den Moslems widerfahren ist, das wird Christen schon lange und häufig in übler Weise angetan: die Verunglimpfung ihres Glaubens bis hin zur Verächtlichmachung Jesu Christi.

So erschien in der Berliner Tageszeitung „taz“  in der Ausgabe vom 11. Februar 06 auf der Titelseite eine ganzseitige Jesus-Karikatur. Unter der Überschrift „Immer schön locker bleiben“ zeigte eine Zeichnung Jesus mit den Händen ans Kreuz genagelt, während er mit den Beinen Sportübungen macht.

Der Chefredakteur der Satirezeitschrift „Titanic“ spricht von einem „Recht auf Verarschung“, besonders in Bezug auf die katholische Kirche und ihrem „Glaubenszauber“. Dabei dürfe es inhaltlich, geschmacklich und ethisch keine Grenzen geben. Die Devise des Blattes lautet: „Unser Spaß fängt da an, wo der anderer aufhört.“ Als besonders eng lobte er die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Presserat, was zeigt, von welchen Geisteskräften dieser dominiert zu sein scheint.

Seit vielen Jahren dürfen Journalisten ungestraft das Heiligste in den Dreck ziehen, ohne dass ihnen irgendwelche Sanktionen drohen. Die Pressefreiheit ist durch das Grundgesetz garantiert, lediglich dahingehend eingeschränkt, dass die öffentliche Ordnung nicht gestört wird. D.h. solange Christen nicht in Massen auf die Straße gehen, Autos und Gebäude in Brand setzen oder Molotowcocktails durch die Luft schleudern, dürfen diese Damen und Herren in ihren Redaktionsbüros machen, was sie wollen.

Gläubige Christen sind hierzulande schon so viele Gemeinheiten gewohnt, ja gleichsam „vogelfrei“, dass sie den Protest größtenteils aufgegeben haben. Auch gehen gläubige Christen mit Spott und Hohn in der Regel anders um als Muslime. Die Mahnung Jesu, nicht Böses mit Bösem zu vergelten, verbietet von vornherein Hass, Rache und Gewalt.

Andererseits stehen auch uns Mittel zur Verfügung, wie wir uns wirksam und trotzdem in korrekter Weise wehren können. Und davon sollten wir auch Gebrauch machen. Gerade über das Internet ließe sich leicht ein wirksamer Protest organisieren, z.B. verbunden mit einem Aufruf bestimmte Produkte oder Firmen, welche in ihrer Werbung den christlichen Glauben verunglimpfen, zu boykottieren oder Zeitungen, die entsprechende Artikel in die Welt setzen, mit der Kündigung des Abonnements zu drohen. Erfahrungen, besonders in den USA haben gezeigt, dass solche Aktionen durchaus erfolgversprechend sind.

Die aktuelle Krise sollte aber auch ein Anlass sein, die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit neu zu definieren. So müßte die objektive Verletzung religiöser Gefühle oder moralischer Werte - gleich welcher Religion - empfindlich bestraft werden.

Eine Freiheit, die als schrankenlos verstanden wird und nicht mehr wertorientiert ist, begünstigt das Böse und schlägt früher oder später um ins Negative, nicht selten sogar in eine Diktatur. Wir sehen das auch am Beispiel des erschreckenden Niveauverfalls des Fernsehens. Was zählt ist nicht mehr objektive Qualität, sondern nur noch die Einschaltquote. Gemeines, Schockierendes, Extremes setzt sich letztlich durch, weil es angesichts unserer gefallenen Natur relativ leicht gelingt, niedrige Instinkte zu wecken. Dem zu widerstehen setzt ein gewisses Maß an Charakterstärke und Persönlichkeit voraus.

Eine Demokratie, die sich absolut setzt und ihre Werte in erster Linie im Sinne der französischen Revolution interpretiert - sie wurden damals blutig erkämpft - , nicht aber vom natürlichen Sittengesetz ableitet, das die wahren menschlichen Werte schützt, kann früher oder später in eine Diktatur umschlagen. Es setzen sich dann jene durch, welche das größte Potential an Unverfrorenheit und Durchsetzungsvermögen aufbringen, nicht mehr aber jene, welche die besten Argumente auf ihrer Seite haben. Wir sehen das in der aktuelle Debatte um die Homo-Ehe. Einer kleinen, aber lautstarken Minderheit ist es gelungen, mit Hilfe der Medien die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen und damit politisch Verantwortliche unter Druck zu setzen und zum Nachgeben zu bewegen. Dabei gibt es durchaus Politiker, die sich widersetzen, aber an der demokratischen Mehrheit scheitern.

Dass unser Glaube in Radio, Fernsehen und Zeitungen so häufig in den Dreck gezogen werden kann, hängt leider aber auch damit zusammen, dass vielen Menschen in unserem Land die christliche Religion gleichgültig geworden ist. Andreas Püttmann schreibt treffend in der „Tagespost“ vom 11. Februar:

„Wer sich überhaupt nicht mehr durch die Verspottung des zentralen Glaubenssymbols seiner Religion getroffen und verletzt fühlt, ist wohl auch strukturell unfähig zu begreifen, was die Stunde für das Christentum in Deutschland geschlagen hat. Wie aus einer fernen Zeit wirkte da schon 1996 die emotionale Betroffenheit des Kölner Autors, Böll-Sekretärs und Lichtenberg-Biographen Erich Kock angesichts der Unempfindlichkeit lauer Beschwichtigungsredner: „Sollen wir denn alles verstehen? Ich plädiere für den Zorn! Ich bin es satt, als Christ dauernd beleidigt zu werden!“ Vielleicht bedarf es einer langen Lebensgeschichte mit „Mutter Kirche“ in guten und in schlechten Tagen, um den Ungeist der Kirchenschmähung klar zu erkennen. Und vielleicht bedarf es vieler Stunden stiller Anbetung des Gekreuzigten, um durch die Lästerung des Gottessohnes in der Seele getroffen zu werden.“

Vielleicht trägt der Aufstand der islamischen Welt gegen die Karikaturen dazu bei, dass wir sensibel werden gegenüber blasphemischen Veröffentlichungen in Wort und Bild. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, wenn sie nicht leichtfertig oder bewusst religiöse Gefühle verletzt. Und da angesichts dessen, dass die Verhöhnung und Lästerung Gottes die schlimmste Sünde überhaupt ist und wie kaum eine andere Sünde Gott beleidigt, können wir uns den Worten unseres Herrn und Heilandes anschließen, die er sterbend am Kreuz gesprochen hat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“