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Die üble Nachrede

P. Bernward Deneke

Liebe Gläubige!

Ein Bauer konnte seine Axt nicht finden. Da fiel sein Blick auf den Nachbarn. Je länger er ihn beobachtete, desto mehr drängte sich ein Verdacht auf. Sah der denn nicht tatsächlich aus wie ein Axtdieb? Und liess nicht sein ganzes Betragen darauf schliessen, dass er den Diebstahl begangen hatte? Aus dem Verdacht erwuchs Gewissheit, aus der Gewissheit Geschwätz. Bald wusste es das ganze Dorf (bis auf den „Dieb“ selbst). Einige Zeit später fand der Bauer seine Axt wieder; er hatte sie selbst verlegt. Nochmals beobachtete er den Nachbarn: Eigentlich sah er ja doch nicht wie ein Axtdieb aus. – Hätte es der Bauer nur nicht im Dorf herumerzählt...

„Sieh, wie klein das Feuer und wie gross der Wald, den es in Brand steckt! Auch die Zunge ist ein Feuer“, schreibt der hl. Jakobus (Jak 3,5f.). Welche Zerstörungen das Zungenfeuer in Gottes Pflanzungen schon angerichtet hat, das können wir nur erahnen. Jedenfalls fördert schlechtes Reden u.a. „Feindschaft, Zank, Eifersucht, Zorn, Hader, Zwistigkeiten, Parteiungen, Neid“, alles Dinge, die der hl. Paulus „Werke des Fleisches“ nennt: „Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“ (Gal 5, 20f.).

Sicherlich darf, ja muss man gelegentlich vor einer gefährlichen Person warnen. Aber diese Pflicht liegt doch in seltenen Fällen vor, in denen negativ über andere gesprochen wird. Für gewöhnlich tut man es, um sich selbst auf Kosten anderer zu erheben. Und schädigt dabei zugleich sein Opfer, seinen Zuhörer und sich selbst.

In der heiligen Kommunion empfangen wir Den, der gesagt hat: „Was aus dem Mund hervorgeht, das kommt aus dem Herzen, und dieses verunreinigt den Menschen.“ (Mt 15,18) Er, der zugleich das Ewige Wort göttlicher Wahrheit und das Herz heiligster Liebe ist, wird uns in Brotsgestalt auf die Zunge gelegt, um dann in unser bedürftiges Herz einzugehen. Sollten wir dadurch nicht von bösen Herzensgedanken und dem „Züngeln“ wider die Wahrheit und Liebe geläutert werden? Durch weniges könnte ebenso deutlich die Echtheit unseres religiösen Lebens erwiesen werden.

Ein Blick auf unsere himmlische Mutter genügt, um zu erkennen: Vom Ewigen Wort der Wahrheit und Liebe erfüllt, ist sie ganz Wohlwollen, Schweigen und Lob des Allerhöchsten. Wer könnte uns besser helfen, Menschen des Wortes Gottes zu werden?