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Maria, unsere Mutter von der Immerwährenden Hilfe

In dem berühmtesten Traum des hl. Don Bosco über die Kirche sieht er diese in Gestalt eines großen, prächtigen Schiffes auf dem Weltenmeer dahinfahren. Viele feindliche Schiffe sind darauf bedacht, das große Schiff zu vernichten. Ununterbrochen greifen sie an; das Meer wirft das große Schiff hin und her. Der Steuermann, der Papst selbst, lenkt das Schiff auf zwei große Säulen zu, die aus dem Meer hervorragen; auf der höheren, stärkeren Säule befindet sich das Allerheiligste Altarssakrament, und darunter die Aufschrift:” Heil der Gläubigen”; auf der anderen Säule steht die Mutter Gottes und darunter die Anrufung: „Hilfe der Christen”. Eine Kraft geht von den Säulen aus, so daß die Löcher, die die Feinde dem Schiff zugefügt haben, sich wieder schließen. Plötzlich wird der Steuermann tödlich getroffen; die Feinde scheinen gesiegt zu haben, aber schon ist ein Nachfolger gewählt, der das Schiff nun bis zu den Säulen lenken kann und es dort mit schweren Tauen an diesen befestigt. Nun sind die Feinde machtlos, sie stieben auseinander und in ihrer Verwirrung vernichten sie sich gegenseitig. Es tritt eine große Ruhe ein. Das prächtige Schiff ist gerettet.

Welche Bedeutung hat dieser Traum auch für unsere Zeit! Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahrtausends. Wenn wir zurückblicken auf die vergangene Zeit, wenn wir bedenken, welche Anstürme die Hölle schon unternommen hat, um die Kirche zu vernichten und es dennoch nie geschafft hat, wird uns doch bewußt, daß die Kirche wahrhaftig eine göttliche Stiftung ist.

In der Tat ist der Sturm unserer Tage wieder besonders heftig. Nicht nur Feinde von außen greifen die Kirche an, auch innerhalb der Kirche sind nicht nur Freunde am Werk. Allein der Herr und seine gebenedeite Mutter - wie im Traum Don Boscos - können da helfen. Die Anbetung Gottes, gerade auch im Allerheiligsten Altarssakrament, muß uns wieder wichtig werden. Da der Herr so wenig angebetet wird, haben der Widersacher und seine Helfershelfer diese Macht. Auf der Säule standen die Worte „Heil der Gläubigen”: beten wir wieder an den großen Gott, der Mensch wurde, um uns zu erlösen, der bei uns ist alle Tage dieses Lebens bis zum Ende der Welt. Jesus Christus ist gegenwärtig in den Tabernakeln unserer Kirchen mit Gottheit und Menschheit, Leib und Seele, Fleisch und Blut und er wartet auf uns; enttäuschen wir ihn nicht!

Aber auch die andere Säule dürfen wir nicht außer Acht lassen - die Säule, auf der die Mutter Gottes steht, die „Hilfe der Christen”. Unsere Liebe und Verehrung der Mutter Jesu gegenüber haben ihren Ursprung im Willen ihres göttlichen Sohnes. Als der Heiland am Kreuz hing, um für unsere Sünden zu sterben, gab er dem Johannes und uns seine gebenedeite Mutter Maria mit den Worten: „Siehe, deine Mutter!” (Joh. 19,27). In der schwersten Stunde ihres Lebens, als sie ihren Sohn am Kreuz sterben sieht, spricht sie ihr „fiat”, ihr „Mir geschehe nach deinem Wort” und nimmt jene mit liebendem Herzen als Kinder an, die für den Tod ihres geliebten Kindes verantwortlich sind.

Die Liebe ist da am größten, wo Kreuz und Opfer ihren Höhepunkt erreichen. Jeder, der sich deshalb der Mutter Gottes anvertraut, sich ihr weiht, ihr hingibt, wird ihrer liebenden Hilfe sicher sein können. Maria hilft ihren Kindern beten, leiden, opfern, kämpfen, ringen und vor allem, all dies tun aus Liebe, aus Liebe zum Herrn.

Maria führt uns zu ihrem Sohn - „durch Maria zu Jesus”, wie der hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort sagt - sie begleitet und schützt uns.

Mit vollem Recht ruft die Lauretanische Litanei die Mutter Gottes als „Auxilium Christi-anorum”, als „Hilfe der Christen” an. Maria hilft der Kirche, dem mystischen Leib Christi und allen seinen Gliedern, die sich vertrauensvoll an ihre Mutter wenden; „Maria hilft immer! Sie hilft jederzeit”, heißt es in dem alten Gebet „Jungfrau, Mutter Gottes mein...”. Auf der Titelseite dieses Informationsblattes sehen wir das schöne Gnadenbild der „Mutter von der Immerwährenden Hilfe”. Das Bild, das wahrscheinlich im 13. Jahrhundert entstand (byzantinische Schule), befand sich zunächst auf der Insel Kreta. Hier wurde es gegen Ende des 15. Jahrhunderts von einem frommen Kaufmann, der es vor dem Zugriff der Türken schützen wollte, mitgenommen; das Schiff aber, mit dem er nach Rom fahren wollte, geriet in schwerste Seenot und erst, nachdem der Kaufmann zusammen mit den Seeleuten zur Mutter Gottes inständig um Rettung flehte, legte sich der Sturm und man gelangte sicher nach Rom.

Am 27. März 1499 wurde das Bild am Hochaltar der Kirche St. Matthäus in Merulana angebracht. Viele pilgerten zur Mutter von der Immerwährenden Hilfe und fanden Trost und Hilfe; auch von Wundern wird berichtet.

In den Jahren zwischen 1809 und 1815 wurde die Kirche St. Matthäus völlig zerstört; das Gnadenbild verschwand. Nach 50 Jahren erst fand man es wieder. Der Generalsuperior der Kongregation vom heiligsten Erlöser (Redempt-oristen), Pater Nikolaus Mauron, bat alsbald den Hl. Vater, Papst Pius IX, das Bild in die Kirche St. Alfonsus übertragen zu lassen; am 23. Juni 1867 schließlich wurde das Bild in dieser Kirche auch feierlich gekrönt. Unzählige Pilgerscharen kommen seitdem, um die Gottesmutter zu ehren und sie um ihre Hilfe und ihrem Beistand anzuflehen.

Betrachten wir dieses Bild aufmerksam, so fällt uns auf, daß das Antlitz der Mutter Gottes bei aller Güte auch eine gewisse Trauer ausstrahlt. Auf den Armen trägt sie das göttliche Kind, dessen Blick auf einen Engel am rechten oberen Bildrand gerichtet ist, der das Kreuz herbeiträgt. Ein zweiter Engel bringt Lanze und Essigschwamm. Das göttliche Kind umfängt mit beiden Händchen die Hand der Gottesmutter, zugleich löst sich eine Sandale von seinem Fuß. Ein Bild mit tiefer Ausdruckskraft.

Die Erlösung am Kreuz war der Grund für die Menschwerdung Gottes. Das Leben Jesu Christi auf Erden läßt sich deshalb nicht ohne Kreuz denken.

Die Engel bringen schon jetzt die Leidenswerkzeuge. Die Liebe Christi zu uns Menschen ist so groß, daß er freiwillig sein Leben für uns dahingab. Im Garten Getsemani rann sein Blutschweiß zu Boden und er sprach: „Vater, wenn es dein Wille ist, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen; doch nicht mein Wille geschehe, sondern der deine!” (Lk 22,42) Die Seele des Herrn erbebt vor dem Leiden, das ihm bevorsteht - schrecklicher ist sein innerer Schmerz, der Schmerz über die Sünden der Menschen, der Schmerz darüber, daß trotz dieses Werkes viele sich nicht bekehren werden. So ist es nicht verwunderlich, daß das göttliche Kind als Ausdruck des Erschauderns einen Schuh verliert und zugleich sich an der Mutter festhält.

Der Blick Mariens richtet sich auf den Betrachter des Bildes; tiefste Vereinigung mit dem das Kreuz erwartenden göttlichen Kind geht einher mit der daraus erwachsenden Bereitschaft, den Menschen Mutter und Helferin zu sein.

Werfen wir uns also auch in ihre Arme. Da sie vom Herrn her Macht besitzt, uns zu helfen, so viel sie will, so wünscht sie gleichsam von uns, daß wir ihr als unsere Mutter vertrauensvoll Gelegenheit geben, ihre Macht auch auszuüben. Ihre Freude besteht darin, aus dem unermeßlichen Schatz der göttlichen Freigebigkeit für uns zu schöpfen. Ja, man kann sagen, sie sehnt sich danach, auf unseren Hilferuf zu antworten; sie würde sich beklagen, wenn wir ihr etwas verschwiegen, ihr ein Leid nicht anvertrauten, einen Fehler, eine Versuchung nicht mit ihr besprächen, einen tiefen Wunsch oder eine Sehnsucht ihr nicht eröffnen würden.

Welch ein Vertrauen dürfen wir deshalb zu unserer Mutter haben! Unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II schreibt in der Verkündigungsbulle „Incarnationis mysterium” zum Jubiläumsjahr 2000 vom 29. November 1998: „Niemals werden die Völker aufhören, die Mutter des Erbarmens anzurufen, und immer werden sie unter ihrem Schutz Zuflucht finden.”

Maria ist und bleibt die Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Wenn wir uns Tag für Tag bemühen und auf sie vertrauen, führt sie uns in die ewige Heimat.

Beginnen wir deshalb das neue Jahrtausend mit Maria. Weihen wir uns von neuem ihrem Unbefleckten Herzen. Das kommende Jahr hat der Heilige Vater zum Jubiläumsjahr erklärt. Damit führt er eine Tradition weiter, die Papst Bonifatius VIII im Jahre 1300 begonnen hatte. Mit der Öffnung der hl. Pforte der Petersbasilika in der Weihnachtsnacht 1999 beginnt das hl. Jahr 2000. Papst Johannes Paul II schreibt dazu in der bereits erwähnten Bulle „Incarnationis mysterium”: „Indem er (Bonifatius VIII) auf eine uralte Überlieferung zurückgriff, wonach allen, die die Petersbasilika in der Ewigen Stadt besuchten, „reiche Nachlässe und Ablässe der Sünden” gespendet wurden, gewährte er aus jenem Anlaß „nicht nur volle und reichliche, sondern sogar vollste Vergebung aller Sünden”. Von da an hat die Kirche das Jubeljahr stets als einen bedeutsamen Abschnitt ihres Schreitens auf die Fülle Christi zu gefeiert.

Die Geschichte zeigt, mit welch leidenschaftlichem Aufbruch das Volk Gottes die heiligen Jahre stets gelebt hat. Es sah in ihnen eine wiederkehrende Gelegenheit, bei der die Aufforderung Jesu zur Umkehr auf intensivste Weise spürbar wird. Mißbräuche und Verständnislosigkeit sind im Verlauf dieses Weges nicht ausgeblieben, bei weitem größer waren aber die Zeugnisse echten Glaubens und aufrichtiger Liebe. Das beweist auf beispielhafte Weise die Gestalt des hl. Philipp Neri, der anläßlich des Jubeljahres 1550 als greifbares Zeichen für die freundliche Aufnahme der Pilger die „Caritas romana” ins Leben rief. Ausgehend von der Durchführung des Jubeljahres und den Früchten der Bekehrung, welche die Gnade der Vergebung in unzähligen Gläubigen hervorgebracht hat, ließe sich eine lange Geschichte der Heiligkeit schreiben.”

(Auch in diesem hl. Jahr wird die Petersbasilika wieder Ablaßkirche sein; neben ihr auch andere Kirchen in der ganzen katholischen Welt; wir freuen uns, daß dieses Privileg auch der Sühnekirche in Wigratzbad zuteil werden wird.)

Alle die vielen Gnaden, die wir in diesem Jubeljahr empfangen können, erhalten wir durch die Hände Mariens, gemäß dem Wort des hl. Pfarrers von Ars: „Keine Gnade kommt vom Himmel, ohne durch Marias Hände zu gehen.”

Möge unser Vertrauen und unsere Liebe zur Gottesmutter von Tag zu Tag wachsen; möge sie uns und alle Menschen zum Herrn führen und unseren innigen Ruf vernehmen:

„Mutter von der Immerwährenden Hilfe, bitte für uns”

P. Christoph Fuisting