In Memoriam Kardinal Höffner (1906-1987)
von P. Bernhard Gerstle
Am 24. Dezember 2006 wäre Joseph Kardinal Höffner, langjähriger Erzbischof von Köln und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, hundert Jahre alt geworden.Geboren in einem Dorf im Westerwald, war er das älteste von sieben Kindern. Bereits im Alter von neun Jahren hat er seine Mutter verloren. Kurz danach starb noch die Schwester und ein Schwager seiner Mutter. So gab es in der weiteren Familie zwanzig Halbwaisen. Kardinal Höffner bemerkte dazu: „Was das bedeutet, läßt sich kaum in Worte fassen.“
Diese schweren Kindheitserlebnisse haben Joseph Höffner vermutlich noch mehr im katholischen Glauben verankert und die tiefe Frömmigkeit grundgelegt, die diesen Bischof zeitlebens ausgezeichnet hat. Er war kein Lautsprecher unter den Bischöfen, obwohl er in Deutschland etliche Jahre an erster Stelle stand. Er liebte die Zurückgezogenheit und Stille, weil sie für ihn die Voraussetzung zu einem entsprechend tiefen Gebetsleben waren.
Sein ehemaliger Weihbischof Manfred Melzer berichtet im Rahmen eines ausführlichen Artikels in der „Tagespost“ vom 21.12.2006 von einer Begegnung des Kardinals mit der Seherin von Fatima, Sr. Lucia, die er auf eigenen Wunsch im Karmel von Coimbra 1977 aufsuchte: „Lucia empfing ihn mit großer Herzlichkeit. Nach einigen Minuten zogen sich beide zu einem Gespräch unter vier Augen zurück, während ich draußen wartete. Auf der Rückfahrt war der Kardinal sehr still. Nur zögernd traute ich mich, die Stille im Auto mit einer Frage zu unterbrechen. So suchte ich nach einem Umweg, der meine Neugierde verbergen sollte. ‚Herr Kardinal, Sie schauen so weit aus dem Fenster. Sehen Sie etwas?‘ Nach einer Pause antwortete er: ‚Ja, ich sehe meine Priester. Ich habe Schwester Lucia gefragt, was heute für einen Bischof die wichstigste Aufgabe sei. Sie hat mir geantwortet. ‚Sorgen Sie sich um gute Priester, dann wird alles gut.‘“
Weihbischof Melzer erwähnt, dass Sr. Lucia Kardinal Höffner bei diesem Besuch einen Rosenkranz geschenkt hat, der ihm zehn Jahre später mit ins Grab gegeben wurde. Er habe ihn täglich für seine Priester gebetet.
„Besonders schmerzlich waren für ihn jene Stunden, wenn ein Priester ins Haus gebeten war, der im Begriff stand, sein Amt aufzugeben. Vor solchen Begegnungen litt der Kölner Kardinal an Leib und Seele. Auf den Knien betend hat er sich auf solche Gespräche vorbereitet. Es war, als ob er kein Wort sagen oder unterlassen wollte, das nicht zuvor mit dem Herrn durchgebetet war. Nie habe ich einen von denen, die gehen wollten, etwas über den Inhalt dieser Begegnungen erzählen gehört. Mancher Priester ging anschließend weinend aus dem Haus. Einmal rief mich ein ehemaliger Mitbruder am selben Abend an und sagte: „Das habe ich nicht gewußt, daß er so leiden würde. Wäre ich doch nur früher zu ihm gegangen!“
In einem Zeitungsinterview auf seinen Namenspatron angesprochen, erwähnte er drei Lehren, die ihm der heilige Joseph erteilt hatte:
1. Es ist richtig, nicht selber Vorsehung spielen zu wollen, sondern auf den Ruf Gottes zu hören, ihn auf sich zukommen zu lassen, dann aber nicht zurückzuweichen.
2. Richtig ist fast immer der schwerere Weg.
3. Richtig ist fast immer das Unzeitgemäße, nicht der Konformismus.
Wenige Wochen vor seinem Tod (14.9.1987), der auf das Fest Kreuzerhöhung fiel, durfte er noch den 25. Jahrestag seiner Bischofsweihe erleben. Zu diesem Zeitpunkt war er schon von seiner Krankheit gezeichnet. Auf das Bildchen, das er aus Anlass seines silbernen Bischofjubiläums drucken ließ, stand geschrieben: „Im Zeichen des Kreuzes lege ich mein Leben in Gottes Hände, und Gottes Hände sind gute Hände.“
